2017 Ostseetörn

Sturmtief 970, nordostziehend.

Die Tage vor unserem Törn waren bereits von einigen Wetterkapriolen geprägt. Ein Hagelschlag hatte u.a. unser Carportdach zum Sieb mutiert. Also hieß es, etwas genauer hinschauen. Der Seewetterbericht hatte ein Sturmtief über der Nordsee in petto. Eine Woche Charter ließ nicht viel Spielraum für Ausweichmanöver oder Hafentage. Nach intensiver Beratung mit Tom von Sail&Surf Rügen, entschied ich mich unser Ziel – Kopenhagen – für 2017 aufzugeben. Für die Hintour sah es gut aus, aber die Wetterprognose für die Rückfahrt war einfach zu unsicher.

Also erstmal Bootsübernahme und weiter mit der Vorbereitung: Einkaufen, Einweisung bzw. Sicherheitseinweisung. Damit die Anlegemanöver ohne Stress klappen haben alle Leine werfen geübt. Grobe Einteilung: Sandra/Andre‘ Vorschiff, Jürgen/Jens übernehmen das Heck und Birgit die Kombüse.

Rund Rügen

Es bot sich Rund Rügen im Uhr-zeigersinn an. Kloster auf Hiddensee war unser erstes Ziel. Zum Kennenlernen ging es gleich ins enge Hiddensee Fahrwasser. Wie eng, bzw. flach es zuging, zeigten uns ein paar Ruderer anschaulich, die am Rand der Gellerhakenrinne im Flachwasser neben ihrem Boot standen. Alle Stunde Wachwechsel, so dass jeder einmal am Steuer stand als wir mit 2-3 Bft Halbwind gegen halb zwei Nachmittag ankamen. Zeitig genug, um noch Räder auszuleihen, den Dornbusch zu erklimmen und einen Apfelstrudel „komplett“ zu genießen. Das Hotel „Hitthim“ am Hafen bestätigte seinen schlechten Ruf vom Vorjahr. In der zweiten Reihe, im „Haus Hiddensee“ ging es viel besser und freundlicher zu.
Das wäre dann wohl die erste Option bei weiteren Besuchen. Dann folgte das Ritual dieser Fahrt – wir spielten zum Tagesausklang alle zusammen Rommee.

Sonne hatten wir reichlich, aber die Ausläufer des Tief bestimmten die Windverhältnisse. Um für die angekündigten kräftigeren Winde später die Abschattung zu nutzen, ging es mit einem größeren Schlag direkt nach Sassnitz. Wir starteten mit einer mäßigen Brise aus SW, später auf Süd drehend, die leider kurz vor Sassnitz einschlief. Die Boxen dicht an den Sanitäranlagen sind auch die längsten Boxen (stand sogar dran) und so mussten wir erstmal die Festmacher neu sortieren. Sandra und Andre‘ hatten fix ein großes Auge parat und gekonnt über die Dalben platziert und damit kamen auch wir an den Steg ran. Pünktlich zum Abendessen lagen wir dann im Yachthafen fest. Einmal Pizza all „you can eat“, d.h. alles in die Mitte und dann ganz, ganz langsam zurückgehen.

Zu unser Überraschung wurden wir nach dem Abendessen von der Polizei kontrolliert. Ob sie die spät einlaufende Yacht aus Swinemünde mit extra starker Besatzung im Auge hatten? Sie wollten dann wohl doch nicht ihr Polnisch auffrischen, … also eine neue Erfahrung für uns! Zum Glück war alles in Ordnung.

Für Montag war ein frische Brise aus West angekündigt. Wir setzten das Segel gleich mit dem erste Reff und segelten die Bucht von Prora aus. Es war sehr böig. Querab von Prora nahmen wir nur noch die Fock. Die zog uns immerhin mit über 7 Knoten voran. Auf dem Raumschotkurs notieren wir Böen über 25kn und bereiten uns schon mental auf etwas raueren Seegang im Landtieffahrwasser vor. Der Mittagsimbiss wurde von Birgit & Sandra schon mal vorbereitet und dann kamen wir zunehmend aus der Abschattung raus. Wegen der möglichen Fischernetze wollten wir kurz nach der Tonne „Landtief B“ ins Fahrwasser einschwenken. Der Wind hatte südlich gedreht und war noch stärker geworden. Birgit bestand auf ihre Winsch, die sie liebevoll umklammerte.
Bei dem Wellengang ~1,5 Meter wollten wir nicht kreuzen, also Maschine an. Ab dem Thiessower Haken hatten die Wellen noch mehr zugelegt und die Böen hatten sich wohl kollektiviert. Von den 5Bft konnten wir nur noch träumen. Windgeschwindigkeiten zwischen 25 und 28kn mit Böen deutlich darüber bestimmten das Geschehen.

Ein Wetter zum Kotzen! Im wahrsten Sinne, ein Ausfall und die übrigen Mienen hatten sich von „ich will steuern“ in angespannte Konzentration verändert. Nicht alle Wellen ließen sich aussteuern und so wurden wir ganz kräftig durchgeschüttelt. Die Zeit schien still zu stehen. Eigentlich sollte es Gager werden, aber um dem Schwell im Hafen zu entgehen, nahmen wir eine Bucht später Kurs auf Seedorf. Vor dem Wind ablaufend, besserte sich die Laune unmittelbar.

Die zu engen Dalben am Forellensteg waren dann schon eher eine Auflockerung bevor wir am Innensteg längsseits festmachten. Wir kochten auf dem Boot. Es gab „Chinesisch Süß/Sauer“ inkl. Gemüse vom Mittag und es schmeckt allen schon wieder vorzüglich. Natürlich folgte unser allabendliches Ritual.

Hafentag.

Der Wind war in Seedorf kaum zu merken aber hoch oben rauscht es noch genau wie am Vortag. Wir fahren mit dem Taxi nach Binz. Zu unser Überraschung erwischten wir einen unterhaltsamen Taxifahrer, der uns die Fahrt durch den Stau, die Abkürzung über eine Feldstraße kurzweilig unterhielt. Nachdem die Männer die Bummelmeile tapfer überstanden hatten, ging es mit dem Rasenden Roland bzw. Bus über Sellin wieder zurück nach Seedorf. Für den Abend hatten wir in „Den Drei Linden“ reserviert.

Der Mittwoch versprach ein guter Segeltag zu werden. Wir wollten nach Greifswald. Der Wind war anfangs noch kräftig, weshalb wir die Abschattung von Vilm nutzten und wieder dicht unter Land blieben. Die alte Hubbrücke in Wiek öffnet nur jede Stunde. Der Wind hatte dahin deutlich nachgelassen aber mit iPad und Maschinen-unterstützung waren wir genau pünktlich zur 13:00 Uhr Öffnung vor der Brücke. Von der Brücke waren es noch etwas über 2 Meilen bis zur Stadt. Wir legten am Chartersteg an, der in der Woche schön frei war und machten uns für einen Stadtbummel zurecht.
Kaffee auf dem Marktplatz bei bestem Wetter. Überhaupt, bis auf den stürmischen Montag hatten wir bislang jeden Tag ausreichend Sonne.
Noch einmal warmes Abendessen auf dem Boot. Nudeln mit Jagdwurst-Tomatensoße, lecker!

Wie schnell doch eine Woche vergeht. Die Rücktour stand an, doch diesmal ließ uns der Wind im Stich. Wir versuchten noch tapfer ein paar Meilen zu segeln.
Andre‘ fing den Wind ein solange die Arme es zuließen, aber dann musste doch Motor ran. Das kannten wir schon, d.h. Mit dem iPad wurde genau die Geschwindigkeit ausgezirkelt, um die Brückenöffnung um 17:20 Uhr zu treffen. Fast perfekt, d.h. Wir mussten nur 10 Minuten warten.

Tanken und dann konnte Andre in einem bekannten Hafen einmal selbst anlegen.
Alles i.O.

Zum Abschluss der Fahrt gingen wir, bzw. Sandra chauffierte uns zum „Alten Fritz“. Als wir das Lokal verließen, hatte sich das Wetter wieder mal grundsätzlich geändert. Von der brennenden Sonne war nichts mehr zu merken, es regnete.

Mit dem Ziel vor den Augen hatten wir ganz vergessen nochmal auf den Wetterbericht zu schauen. Heftiger Wellengang/Schwell im Hafen von Altefähr begleitete unsere letzte Nacht an Bord.
Am Freitag morgen räumten wir (schnell) das Schiff. Nach der Übergabe und Frühstück im Restaurant trafen wir uns anschließend nochmal am Anleger für ein Gruppenfoto.
Damit ging eine sehr schöne Fahrt zu Ende. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und wir haben als Crew super zusammengefunden.
Ich möchte meine Frau nicht unerwähnt lassen. Bei den Segelmanövern ist sie uns aus dem Weg gegangen, aber als Smutje hat sie trotz ihrer Behinderung unsere Crew super bereichert.
Sie kann jetzt auch schon 3 Knoten 😉

Crew für 2017:
Jens Raabe  (Skipper)
Andre Raabe
Birgit Raabe
Jürgen Tielebein
Sandra Szelong

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