Eigentlich waren für 2026 zwei Wochen eingeplant und die VHP für Birgit organisiert, doch schon früh zeichnete sich ab, dass aus dem Vorhaben wieder ein etwas kompakterer Törn werden würde. Gut zwei Monate vorher flatterte eine Einladung zur Hochzeit eines guten Freundes aus Österreich ins Haus, und damit begann die erste Umplanung. Zehn Tage sollten aber noch zu schaffen sein, das Ziel war Karlskrona. Natürlich kam dann, wie so oft, das Wetter dazwischen.
Mit an Bord war Bernd, der bei uns im Verein gerade seine Ausbildung absolvierte.
Samstag, 13. Juni
Wir hatten am Vortag schon alles klargemacht und konnten bei strahlendem Sonnenschein ablegen. Die Diskussionen mit den Segelkameraden hatten bereits gezeigt, dass sich Sassnitz als „Absprungziel“ nicht wirklich anbot, denn es braute sich bereits etwas zusammen. Also ging es innen lang Richtung Kloster.
Bis zu den Plattformen am Ausgang der Dänischen Wiek hielt sich das Wetter noch halbwegs, dann kam es dicke. Ein echter Vollwaschgang mit starkem Wind aus Richtung Strelasund ließ nicht lange auf sich warten. Das war schon ordentlich. Bis kurz vor der Hochspannungsleitung hielten wir durch. Die etwas kleinere Yacht „Kantje“ vom Typ Hiddensee mit dem Schauspieler Jörg Schüttauf an Bord brach die Kreuz bereits kurz nach der Fähre ab und stampfte ebenfalls Richtung Gustow.
Unser erstes gemeinsames Anlegemanöver verlief erfreulich unspektakulär. Oder sagen wir so: Ich hatte wieder einmal unbewußt, die etwas schmalere Box gewählt, sodass wir gemütlich zwischen den Dalben hingen und in Ruhe alles klarieren konnten. Für den Anfang war das jedenfalls kein schlechter Auftakt.
Am Abend gab es dann noch mehrfach kräftige Schauer. Es war insgesamt ein sehr durchwachsener Tag, und man konnte schon ahnen, dass das Wetter noch zulegen würde.
Sonntag
Der Tag begann gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück. Für 12:20 Uhr war die Ziegelgrabenbrücke angesagt, und weil der Wind voll auf die Nase stand, fuhren wir zunächst unter Maschine zur Öffnung. Danach wurde gesegelt.
Es blies eine steife Brise. Zeitweise ging es mit hartem Amwindkurs in Richtung Gellenfahrwasser. Dort sollten die Segel wieder herunter, was bei der Fock allerdings nicht ohne weiteres klappte. Sie ließ sich nur mit Gewalt einrollen, und das überlebte die Umlenkrolle nicht. Die Leine war verklemmt und die Reparatur musste im Hafen erfolgen, sodass sich auch die weitere Segelunterstützung für den Moment erledigt hatte. Wir liefen also unter Maschine nach Kloster.
Der Hafen war sozusagen leer. Bei diesem Wetter hatten es weder Wochenendausflügler noch Urlauber nach Hiddensee verschlagen. Trotz der geschützten Lage ging der Wind noch so stark in die Takelage, dass regelrecht Stegsegeln angesagt war. Am Abend reservierten wir im „Schillings HafenamtSchillings Hafenamt“ einen Tisch und konnten dort gut essen.
Eine Weiterfahrt am Montag wurde rasch verworfen, denn der Wind sollte nicht wirklich nachlassen. Also machten wir aus dem Tag einen Wandertag.
Auf dem DornbuschDornbusch wurden am Abend bis zu 50 kn Wind gemessen, Windstärke 10 – also schwerer Sturm.
Montag / Dienstag
Zwei Hafentage, die sich schnell erzählen lassen, aber dennoch in Erinnerung bleiben. Am Montag ging es durch den Hochwald zum Leuchtturm und von dort hinten herum wieder hinunter. Ein kurzer Abstecher zu unserem Segelkameraden Detlev sollte die Wanderung abrunden, und glücklicherweise war er gerade da. Unbemerkt hatte sich, entgegen aller Vorhersagen, eine Regenwolke gebildet, und ein ordentlicher Guss ging nieder, während wir bei ihm auf der Terrasse geschützt saßen. Das war echtes Glück.
Am Dienstag liehen wir uns Fahrräder und fuhren in die andere Richtung zum Leuchtturm Gellen. Dort konnten wir einige wenige Yachten beobachten, die den Start bereits gewagt hatten und sich langsam und sichtbar mühsam durch die See arbeiteten. Das bestätigte uns einmal mehr, dass unser zusätzlicher Hafentag die richtige Entscheidung gewesen war.
Gleichzeitig war klar, dass sich das Ziel Karlskrona damit erneut erledigt hatte.
Auf dem Rückweg gab es noch ein Eis, und am Abend kochten wir zum ersten Mal selbst. Nach der Vorbereitung für den kommenden Tag ging es dann früh in die Koje.
Mittwoch
Der neue Plan hieß nun: Ystad, dann Bornholm und von dort am Sonntag zurück.
Wir brachen gegen 05:00 Uhr auf und konnten unseren Vorsprung bis kurz vor Mittag vor der „KoalaKoala“ verteidigen, die etwa eine Stunde später gestartet war. Die Welle stand noch ordentlich, war auf dem Raumschotkurs aber gut zu ertragen. Wir kamen sehr gut voran und erlebten dann eine unheimliche Begegnung: Kurz vor Höhe des Windparks kreuzte ein U-Boot ohne weitere Markierung unseren Kurs. Das ist dann schon ein Moment, in dem man automatisch genauer hinschaut.
Etwa zehn Seemeilen vor Ystad ließ der Wind nach, und wir setzten den Spi. Da Bernd so etwas noch nie gemacht hatte, wurde daraus eine für mich schweißtreibende Angelegenheit. Aber gerade das gehört ja auch dazu. Immerhin konnten wir den Spi rund eine Stunde nutzen, bevor wir ihn bei wieder zunehmendem Wind einholten. Nach gut elf Stunden Überfahrt legten wir in Ystad an. Nach einem zünftigen Abendessen gab es noch einen Klön-/Kartenabend, wie er nach so einem Tag eigentlich nicht fehlen darf.
Donnerstag
Am Morgen stand noch eine Stadtbesichtigung auf dem Programm, inklusive Besuch beim legendären Schiffsausrüster „SkeppershandelSkeppershandel“. Ich war etwas enttäuscht, hm …
Gegen 11:00 Uhr legten wir dann Richtung Allinge ab.
Der Schlag war seglerisch genau das, was man sich erhofft: Raumschotkurs mit Welle, das machte richtig Spaß. Allerdings stand noch das Verkehrstrennungsgebiet im Weg. Ich peilte es etwas höher an, damit wir anschließend nicht völlig im Vorwind landeten. Kurz vor der Einfahrt näherte sich dann ein Frachtschiff so schnell, dass wir unseren eingespielten Kurs kurzfristig unterbrechen mussten. Danach ging es aber sauber durch das VTG, trotz Welle und Bewegung. Bernd meisterte den größten Teil der Strecke wirklich sehr ordentlich.
Bornholm rundeten wir nördlich und kamen dann in der Abschattung ohne Welle aus. Dafür gab es immer wieder einbrechende Böen.
In AllingeAllinge zeigte sich ein ähnliches Bild: Der Hafen war relativ leer, und wir lagen sicher und ruhig im Hauptbecken. Bis dahin hatte eher dickes Zeug dominiert, und nun hatten wir den ersten wirklich sommerlichen Tag. Kurze Hose – das war fast schon ein kleines Ereignis.
Am Abend aßen wir auf der „Terrassen“ und genossen den warmen Sonnenschein. Die Sanitäranlagen in Allinge sind allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Mit Ystad ist das nicht zu vergleichen, aber der Zustand war eher etwas ungepflegt.
Freitag
Am Vortag hatte die Welle noch voll auf HammerhavnHammerhavn gestanden, doch nun hatte der Wind gedreht, und wir liefen den Hafen nach einem sehr kurzen Schlag an. Natürlich stand ein Besuch der Burg auf dem Programm, und anschließend hatte Bernd noch genügend Motivation für einen Spaziergang zum Opalsee. Ich nutzte die Zeit lieber mit einem Buch.
Es ist ein sehr idyllischer Hafen. Der Segelkutter hinter uns wurde von einem Paar bewohnt – sie aus Schottland, er von Bornholm. Sie hatte den Segler mit maximal 5 kn vor gut vier Jahren überführt und war dann sozusagen dort hängen geblieben.
Gemeinsam retteten wir noch einen kleinen finnischen Jungen vor einem aufgebrachten Schwan. Der Schwan sah das kleine weiße Dingi mit elektrischem Außenborder offenbar als Konkurrenz an, und der völlig verstörte Junge musste ans Ufer gelotst werden, während sie den Schwan ablenkten. Am Abend gab es dann noch einen tollen Sonnenuntergang.
Samstag
Wir verholten nach Rönne. Von dort sollte es am Sonntag zurück nach Sassnitz gehen. Zunächst aber stand bei schönem Wetter und moderatem Wind eine Kreuz an. Die lief erfreulich gut, sodass wir uns schon am frühen Nachmittag auf den Weg in die Stadt machen konnten.
Zuvor musste die „Anja“ noch so befestigt werden, dass sie auch bei kräftigen Schwell beim Einlaufen der Fähren keinen Schaden erlitt. Eigentlich sollte es gar nicht mehr regnen. Doch als wir in der Stadt waren, zog plötzlich doch noch eine einzelne Regenwolke auf und entleerte sich direkt in die offene Bugluke. Schiet. Das Bettzeug war nass.
Die Matratze direkt unter der Luke blieben zwar verschont, aber das Trocknen der Bettwäsche war bei schwülwarmer Luft alles andere als einfach. Mit einigen Tricks und einem gut platzierten Heizer war das Bettzeug am Abend schließlich doch wieder trocken, und Bernd konnte seine Koje nutzen.
Beim Smalltalk mit anderen Seglern kristallisierte sich heraus, dass alle lieber östlich der Windfelder fahren wollten. Also fragte ich zur Sicherheit noch einmal bei ELWIS nach. Tatsächlich: Die zuvor offenen Passagen waren seit 2025 wegen Baumaßnahmen geschlossen. Selbst mit aktivem AIS war dort kein Durchkommen mehr. Also bereiteten wir alles wieder für einen zeitigen Aufbruch vor.
Sonntag
Ich prüfte noch einmal alle Wetterberichte. Regenschauer sollten sich auf halber Strecke auflösen und unseren Kurs nicht kreuzen. Früh war, wie vorhergesagt, mit sehr wenig Wind zu rechnen. Also liefen wir aus.
Wir wechselten wie immer stündlich, und als ich an Bernd übergab, sah noch alles ordentlich aus. Nach einiger Zeit schaute ich wieder nach vorne – und vor uns stand eine tiefschwarze Wolke. Regensachen an!
Kurz darauf hörten wir schon das dumpfe Grollen des Gewitters. Es fühlte sich an wie ein Kanonenschuss aus dem Rumpf und der kam schneller, als man den eigentlichen Donner erwartet hätte.
Wir hatten noch das Funknetz von Bornholm und konnten sehen, dass sich ein kräftiges Gewitterfeld gebildet hatte. Also drehten wir um. Taktik: 20 Minuten zurück, dann an der Wolkenkante entlang und wieder Kurs auf Sassnitz. Die schwedische Segelyacht HR43, die etwa eine Stunde später gestartet war, fuhr etwas höher und umging das Gewitter damit. Nach unserem Manöver folgten wir ihr quasi im Kielwasser und kamen gut bis an den äußeren Punkt des Arkona-Windparks. Zuvor war zwar schon etwas Wind, aber erst ab dieser „Ecke“ konnten wir wieder richtig segeln. Wir blieben an der HR43 dran.
In Sassnitz blieb noch Zeit für einen Abstecher zum Drehort von „Praxis mit MeerblickPraxis mit Meerblick“ und für ein Beweisfoto. Anschließend ging es ganz traditionell zum Italiener. Der Hafen wird kräftig umgebaut; künftig werden wir wohl etwas erhöht sitzen.
Montag
Unser Abschlussgrillen wollten wir in Glewitz zelebrieren. Nachdem Bernd in Sassnitz noch schnell Steaks nachgebunkert hatte, blieb uns nur noch der Weg über den Bodden.
Bis zum NordperdNordperd herrschte wie erwartet wenig Wind, dann setzte er doch noch ein und bescherte uns einen schönen Segeltag. Wir landeten wie geplant in dem kleinen Hafen. Der Anlieger ab Nordperd passte dank Winddreher noch fast bis vor Palmer Ort. Danach mussten wir allerdings doch ein paar Kreuzschläge in Kauf nehmen, bevor wir den Hafen ansteuern konnten.
Die Fähre fuhr wohl schon seit über einer Woche nicht mehr. Es war vollkommen ruhig, und wir konnten bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen unseren Grillabend in aller Ruhe genießen.
Dienstag
Die Vorhersage bestätigte sich: spiegelglatter Strelasund und Bodden, kein Lüftchen. Erst ab den Plattformen kam ein Hauch von Wind auf, aber der hätte für die Brückenöffnung ohnehin nicht mehr gereicht. Also ging es unter Maschine weiter.
Damit ging ein echter „All-In“-Törn zu Ende: Vollwaschgang, Starkwind, Wellenreiten, VTG, Gewitter, Kreuzschläge und eine gute Portion Improvisation. Gut das die „Anja“ heile geblieben ist.
Es war anstrengend, abwechslungsreich und am Ende genau so ein Törn, an den man sich noch lange erinnert.